Samstag, 3. Juni 2017

Von A nach B

Diese Woche habe ich einen Auftrag von einem neuen Kunden bekommen, und zwar die Übersetzung der Webseite und, nachdem sie mein Angebot dafür angenommen hatten, passend dazu auch die der Imagebroschüren - "damit alles den gleichen Sprachstil hat".

Allein schon diese letzte Aussage hat mich gefreut, denn hier war endlich mal jemand, der verstanden hat, dass Übersetzung eben nicht gleich Übersetzung ist, weil jeder Übersetzer und jede Übersetzerin einen eigenen Schreibstil hat und die zielsprachigen Texte verschiedener Personen zwar alle gut und richtig sein können, aber eben unterschiedlich klingen. Und wenn ein Unternehmen einen einheitlichen (und somit ja auch professionellen) Eindruck bei potentiellen Kunden hinterlassen möchte, ist das extrem wichtig.

Die Unterhaltung, die dann folgte, hat mich zugleich noch glücklicher, aber auch traurig gemacht. Scheinbar hatte der Kunde zuvor mit verschiedenen Übersetzungsagenturen gearbeitet und war mit dem Ergebnis überhaupt nicht zufrieden, weil die übersetzten Texte genau so klangen - nach übersetzten Texten. Die bei einem solchen Werbematerial verwendete Sprache, oft ja auch etwas blumig und überschwänglich, verwendet viele idiomatische Ausdrücke, die sich eben nicht einfach so mehr oder weniger wörtlich in eine andere Sprache übertragen lassen. Hier zeigt sich dann, wer einfach nur die Wörter übersetzt und wer in der Zielsprache schreibt.

Bei Ersterem versteht man zwar, was gemeint ist, aber es klingt komisch und eben übersetzt, nicht so, als hätte ein Muttersprachler den Text geschrieben. Aber genau das ist es ja, was eine wirklich gute Übersetzung ausmacht! Natürlich ist der Inhalt das Wichtigste. Aber der Text sollte auch angenehm zu lesen sein. Man sollte nicht über eigenartige Formulierungen oder gar teils kryptische Aussagen stolpern, bei denen man dreimal lesen muss, um zu erahnen, was gemeint ist.
Wenn der Leser nicht mehr sagen kann, ob der Originaltext in seiner Muttersprache geschrieben oder "nur" übersetzt wurde, ist das Ziel erreicht.

Für mich ist das ja selbstverständlich, ganz besonders bei solchen Texten. Scheinbar gibt es aber leider immer noch viel zu viele Übersetzer und Agenturen, die darauf keinen Wert legen, und eben leider auch viel zu viele Kunden, denen das nicht bewusst ist, zum Teil, weil sie der Zielsprache nicht mächtig sind und die Übersetzung überhaupt nicht bewerten können, zum Teil aber auch, weil das Bewusstsein dafür, was Übersetzen eigentlich ist, einfach nicht da ist.

Wenn es nur um die Verwandlung von Wörtern aus Sprache A in Sprache B ginge, wären die ganzen maschinellen Übersetzungsprogramme ja ausreichend. Ja, auch die werden immer besser, aber sie können nicht schreiben, sondern nur mittels Algorithmen Wörter und Phrasen ersetzen. Und das hört man dann auch. Und egal, wie weit sich diese Programme inzwischen auch schon entwickelt haben, bis die das auch können, wird es noch lange dauern.
Wirkliches, gutes Schreiben können eben nur Menschen, weil wir kreativ sind (was Maschinen gar nicht sein können), und da eben auch nicht einfach jeder, der zwei (oder mehr) Sprachen spricht.
Jeder wirklich gute Übersetzer, jede wirklich gute Übersetzerin muss auch gut schreiben können, damit ihre Texte eben nicht nach Übersetzungen klingen.
Und wenn ein Kunde dann genau darum bittet, freut sich mein Übersetzerherz!

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