Donnerstag, 8. September 2016

Schlüsselkompetenz Rechtschreibung

Nächste Woche fängt hier in Bayern das neue Schuljahr an. (Nicht nur) deshalb finde ich diesen Artikel vom Wissenswinkel zum Thema Rechtschreibung so passend. Denn Hand aufs Herz: Wer unter uns Sprachlern schafft es, ohne Kontrolle einen Text zu kreieren, der orthografisch absolut fehlerfrei ist? Ich bin ehrlich: ich nicht! Und ich verlasse mich auch nicht alleine auf meine Programme, sondern lese alles immer nochmal und nochmal durch.
Und trotzdem geht einem immer wieder etwas durch die Lappen. Bestes Beispiel: Meine Webseite. Als die damals live gehen sollte, hatte ich für alle Sprachen mehrere Andere gebeten, die fertigen Texte durchzulesen. Und trotzdem fanden sich noch Fehler, als die Seite schon online war - entdeckt von Nicht-Sprachlern!
Nobody is perfect - klar, und Programme helfen, aber sich nur darauf verlassen...? Lieber die Kunst der Rechtschreibung weiter üben und perfektionieren!

Hier also der Artikel von Giselle Chaumien:
Eine korrekte Rechtschreibung ist das A und O in der Arbeit eines Übersetzers. Hier ein paar Gedanken zu diesem Thema.
Die älteren Hasen wissen es: Beim Diktat muss jeder Buchstabe „sitzen“, nur dann ist das Wort richtig geschrieben. Deshalb heißt es auch Rechtschreibung. Oder Orthographie. Oder Orthografie.
Manche beherrschen sie perfekt, andere weniger – und so mancher steht mit ihr auf Kriegsfuß: Es geht um die Rechtschreibung. Orthografie heißt „richtig schreiben“, denn „ortho“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „aufrecht, richtig“. Wenn der Orthopäde derjenige ist, der darin ausgebildet ist („paideia“ heißt „Ausbildung“), Menschen zu helfen, damit sie „aufrecht“ gehen und/oder sich „richtig“ bewegen, dann sind wir, die wir uns mit Sprache – Muttersprache und Fremdsprache(n) – befassen, sozusagen Wort-Orthopäden.
Wir sind darin ausgebildet, unsere Arbeitssprachen, einschl. der Muttersprache, einwandfrei anzuwenden, sie zu beherrschen – mindestens in Bezug auf die Rechtschreibung und idealerweise auch hinsichtlich aller anderen Aspekte, die in diesem Beitrag nicht thematisiert werden. Doch irgendwann erfanden kleine Teufel, die den Menschen das Denken abgewöhnen wollten, Programme zur automatischen Rechtschreibkorrektur. Und dann verließen sich viele auf diese Programme und schoben die Verantwortung darauf, wenn etwas falsch geschrieben war. Und scherten sich nicht so sehr um die Rechtschreibung – das Programm werde es am Ende schon richten.
Traurig ist es schon, dass diese Kunst – im Sinne von Können – verloren geht. Das ist ein wenig so, als würden Musiker mit der Zeit verlernen, ihr Instrument zu beherrschen oder Noten zu lesen.
Eine Lieblingsbeschäftigung von Spracharbeitern besteht darin, Fehler in Fremdtexten, auf Schildern, in Speisekarten, Büchern, Zeitungsartikeln usw. in den social media zu posten. Doch auch in den eigenen Posts schleicht sich nicht selten der Fehlerteufel ein. Neben Tippfehlern, die jedem passieren, sind auch immer wiederkehrende Rechtschreibmängel festzustellen. Das spielt keine Rolle, meinen Sie? Mmh, der eine oder andere, der Aufträge hin und wieder weitervermittelt, lässt sich möglicherweise dadurch beeinflussen und vergibt seinen Auftrag lieber demjenigen, der auch in seinen Posts die Kunst des Rechtschreibens unter Beweis stellt.
Selbstverständlich indiskutabel sind Orthografiefehler in abgelieferten Auftragstexten, Übersetzungen usw. – das geht gar nicht. Das ist nicht anders, als wenn der Sommelier in einem guten Restaurant Rotweinflecken auf der Tischdecke hinterlässt, weil er den Wein nicht sorgfältig einschenkt, oder wenn der Maler den Teppichboden mit Farbklecksen versieht.
Fünf Prozent Rechtschreibfehler seien doch wohl erlaubt, schrieb vor einiger Zeit ein Kollege in einem einschlägigen Forum. Aha!? Fünf Rotweinflecken auf der weißen Damasttischdecke, fünf Farbkleckse auf dem Teppichboden, das würden Sie kommentarlos als Restaurantgast oder Auftraggeber des Malers akzeptieren? Schon zwei Prozent Rechtschreibfehler können das Image eines Unternehmens stark schädigen – da genügt es, wenn der Buchstabe W im Verb „schweißen” in einem Firmenflyer fehlt. Auch eine falsche Maßangabe (zum Beispiel m3 statt m2) kann verheerende Folgen haben, oder es kann teuer werden, wenn statt 10 Spezialseilen nach Kundenspezifikation 10 Spezialkeile geliefert werden.
CATs und Rechtschreib- bzw. Grammatikkorrektoren gaukeln Qualität vor. Messbare, d. h. zählbare Rechtschreibfehler können jedoch bestenfalls ein Qualitätskriterium unter vielen anderen sein.  Daher gilt: Augen auf und besser mehrfach als nur einmal prüfen!
Bessere Lesbarkeit: In allen Texten deckt die männliche Form (z.B. Übersetzer, Freiberufler, Unternehmer) auch die weibliche Form ab.
(c)www.wissenswinkel.com

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