Freitag, 27. September 2013

Schlimmer geht (n)immer

Eigentlich wollte ich diese Woche über meine ersten Schritte als Dozentin berichten, aber dann kam dieser Blog-Beitrag der Kollegin Ricarda Essrich auf meinen Bildschirm, und den muss ich einfach verbreiten! Ein weiterer Beweis für die sinkende Moral gegenüber Freiberuflern und die Ahnungslosigkeit leider nicht nur der Auftraggeber, sondern auch der Übersetzer.... das ist mehr als traurig! Aber jeder lese und urteile selbst:

Odesk - das Abzockerportal für Freiberufler

26. September 2013 - Wortsalat
Derzeit geht ein Onlineportal durch die Presse (Zeit online und Spiegel online haben bereits berichtet), das sich als Wohltäter für Freiberufler und als Zukunft der Online-Arbeit sieht.
Odesk will Auftraggeber und Freiberufler online zusammenbringen. Laut Zeit.de handelt es sich bereits um die "weltweit größte Vermittlung von Onlinearbeit".
"Get the job done on demand" steht da auf der Infoseite für Auftraggeber. Und "Great careers begin here" auf der Seite für die Freiberufler.
Eigentlich ein löbliches und erfolgversprechendes Prinzip. Für uns Übersetzer könnte das interessant sein, denn viele von uns leben nahezu ausschließlich von Online-Arbeit. Will sagen: Meine Kunden sitzen über ganz Deutschland, Österreich und Skandinavien verteilt, und es spielt keine Rolle, von wo aus ich arbeite. Die Abwicklung geschieht per E-Mail oder über Online-Portale der Übersetzungsagenturen. Ich arbeite, wann und wo ich will, wichtig ist nur, dass ich pünktlich liefere.
Doch bei Odesk geht es nicht darum, Auftraggeber und professionelle Freiberufler zusammenzubringen. Hier geht es darum, Projektarbeit für möglichst wenig Geld zu beauftragen. Professionalität oder Qualität. spielt dabei keine Rolle. Alles ist ganz transparent - und so kann man auf der Seite auch sehen, was die Kollegen verdienen. Oder die Auftraggeber ausschreiben. Nicht wenige Übersetzer (ich lasse die anderen Kategorien außen vor, weil ich mich da in Sachen Honorar und Professionalität nicht auskenne) geben einstellige Dollarbeträge als Stundensatz an, auch in Europa ansässige. Schon mit der darin enthaltenen Vermittlungsgebühr in Höhe von 10 % an Odesk sind das unterm Strich unterirdische Honorare.

Beispiele für Unprofessionalität seitens der Übersetzer und Unverschämtheit seitens der Auftraggeber gefällig?
  • Eine deutsche Kollegin gibt an: „On average I translate/review about 50,000 words a week - this is truly my profession.‟ Das ist nicht ihre Profession, das ist Zauberei. Zumindest bei Übersetzungen. Wenn ich von einem Durchschnittswert von 500 Wörtern pro Stunde ausgehe, müsste sie 100 Stunden pro Woche übersetzen. Ist aber wahrscheinlich auch notwendig bei einem Stundensatz von 20 $.
  • Und eine Medizinstudentin studiert in der Slowakei auf Englisch, daher kann sie aus dem Slowakischen und Englischen ins Schwedische übersetzen. Achja, von ihrem Freund hat sie auch noch Norwegisch gelernt, das bietet sie natürlich auch an.
  • Ein französischer Auftraggeber auf der anderen Seite hat eine Rechtstext-Übersetzung für rund 0,03 € pro Wort ausgeschrieben.
  • Und es geht noch schlimmer: Ein Auftraggeber möchte 22 Minuten spanisches Interview transkribiert und dann ins Englische übersetzt haben und bietet 5 $ als Festpreis! (Zum Vergleich: Pro Minute Transkription rechnet man ungefähr das 5-6-fache an Arbeitszeit, also rund 100 Minuten Arbeit nur für die Transkription. Und dann noch die Übersetzung. Für sage und schreibe 3,70 €!)

Überwachungssoftware inklusive
Der wahre Hammer sind aber die Arbeitsbedingungen, die Odesk den Freiberuflern zumutet. Angeblich, um faire Bedingungen für beide Parteien zu bieten. Registriert man sich dort als Freiberufler, wird eine Software installiert, die alle 10 Minuten einen Screenshot macht und an den Kunden schickt - damit der sicherstellen kann, dass er nur für Zeit bezahlt, die auch gearbeitet wird. Surft man in dem Moment gerade im Internet, wird man für die 10 Minuten seit dem letzten Screenshot nicht bezahlt. Das ist eine bodenlose Unverschämtheit. Denn wie unterscheidet der Kunde/Odesk/das Programm, ob ich gerade aus Spaß oder aus Recherchezwecken surfe? Bei meinen Übersetzungen bin ich ständig im Netz unterwegs, denn Google und Wikipedia sind meine größte und wichtigste Ressource. Davon abgesehen möchte ich selbst entscheiden, wann und wie lange ich an einem Projekt arbeite. Das sind keine fairen Arbeitsbedingungen, das ist Ausbeutung. „Digitale Tagelöhner‟ nennt Spiegel online das, und dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
Es schüttelt mich, wenn ich das lese, und schütteln möchte ich am liebsten auch alle Kollegen, die über solche Portale arbeiten. So verlockend es auch (vor allem für Anfänger) ist, weil regelmäßig Aufträge winken, macht Euch nichts vor: Ihr verkauft Euch dort viel zu billig. Nicht Ihr verdient darüber Geld. Das steckt Odesk ein. Und die Auftraggeber, die auf Qualität sch... und Aufträge nach dem Motto vergeben: Hauptsache billig! 

Donnerstag, 19. September 2013

Funny Glossary

In honor of having given my very first class lecture on terminology today, here's a great glossary every translator should strive to learn by heart  (found over on the website of the Terminology Coordination Unit):

Funny glossary of translating

20,000 words: The amount of words (some) clients think can be translated overnight.

Back translation: (1) I can’t proofread and I don’t trust you. Send translation of your translation.
(2) When the chicken and egg conundrum becomes a language assignment.

Briefing for copywriting style adaptation: Are extremely short and leave the copywriter with more
questions than answers.

Capital letters: Something that clients love to put in and translators love to take out.

CAT Tool: a piece of string used to play with your feline friend whilst your TM program reboots.

Charm: A coercive ploy used by clients when they need you to dig them out of a hole.

Client: “Please provide some alternative headlines” = “We have no idea what the message is”.

Customer feedback: A lengthy exchange of emails where the customer attempts to insert error in a
translation, resulting in attempts to insert errors in a translation, resulting in a debate of life, the
universe and everything.

Deadline: (1) The unreasonable delivery schedule that will almost kill the translator, but not quite.
(2) Deadlines: Clients love to give them, but (some) hate to keep them when they’re on the bottom of an invoice.

Dictionary: Gives you every alternative except that elusive word you are searching for.

Excel Files: A file format used by clients who don’t know how to create tables in Word files.

Fee: The tiny figure on your bank account that keeps you from starving and that clients make such a
fuss about.

Feedback: Something that is never forthcoming unless it’s negative. Not to be confused with
complaint!

Friday night: chances are big your favorite client asks for a huge translation due 9am on Monday.

Holidays: non-existing term in translators’ community.

OCR: A tool that scans the words “I love you” as “1 i0u3 40v”.

PDF: A file format used when the client has lost the original source text.

PPT files: A file format used by people who are planning to bore their audience to death.

Pre-booked Job Date: The day *after* the day that the client promised to deliver a pre-booked job
for translation.

Proofreading by the client: The phase of implementing spelling and grammar errors.

Proofreading: The PERECT job for grammar-obsessed pedants.

Relevant background material: 20 GB of completely useless stuff.

Research: five hours spent on the internet looking for two words, only to be told it’s a typo and to
leave them out.

Rush fee: Trying to sell a ten percent raise as a hundred percent raise.

Sample Translation: A long document a client has split between 20 agencies as a way of getting the
work done for free.

Slush Pile: The pile that translation agencies put emails in when job-hunting translators *BCC* a
pitch to 500 agencies.

Social media: now your whole extended family and friends of friends can ask for free translations.

Source copy in JPG file: the ultimate nightmare.

Tab Stops: Used by clients/translators who don’t know how to create tables in Word files.

Ten free test translations a day keep the translator’s money away.

Transcreation: (1) a service for clients who know their source copy is crap. (2) The best excuse to do whatever you want by contract.

Translation Agency: The pariah in the middle of the client/supplier sandwich.

Translation theory: That thing they teach you in school that you never quite seem to use in the real
world.

Translator: A person expected to do today what the client should have done yesterday.

ttx file: a supposedly interchange file format that doesn’t “interchange” at all.

Twitter: A tool to reassure translators that Armageddon didn’t happen whilst they were racing to a
30k word deadline.

Weekends: The 2 days between Friday and Monday when clients mini-break in Paris whilst
translators are expected to work.

White Space: Something that clients never leave in PPT docs and are then surprised when their
translated files look blah.

Word File: a word-processing document that is guaranteed to crash when a deadline is looming.

Dienstag, 10. September 2013

Sprachpanscher des Jahres

Was es doch alles gibt... 'Sprachpanscher' zum Beispiel. Das Wort kannte ich gar nicht bis ich die Pressemitteilung unten von einer Kollegin erhielt. Ich mag ja Neologismen nur bedingt, v.a. wenn sie Denglisch beinhalten, aber dieser gefällt mir außerordentlich gut! ;-)

Duden ist Sprachpanscher 2013

Die Mitglieder des Vereins Deutsche Sprache e.V. haben den Duden zum Sprachpanscher des Jahres 2013 gewählt. Wie kaum eine andere Organisation trage der Duden seit Jahren dazu bei, dass sich sprachliches Imponiergehabe im Glanze einer quasi amtlichen Zustimmung sonnen dürfe. „Wer in einem Wörterbuch der deutschen Sprache als Ersatz für Fußball den lächerlichen Angeber-Anglizismus ‚Soccer‘ vorschlägt, hat es nicht besser verdient,“ begründete der Vereinsvorsitzende Walter Krämer diese Negativauszeichnung. „Wo bleiben dagegen der Nachsteller - statt ‚Stalker‘-, der Netzhandel - statt ‚E-Business‘ - oder der Klapprechner, der immerhin über 34.000 Treffer bei Google aufweist.“ Nach seinen eigenen Grundsätzen, nämlich ohne weitere Wertung alle Wörter aufzunehmen, die hinreichend oft in der deutschen Sprache vorkommen, müssten auch diese Wörter im Duden stehen. Das an sich schon angreifbare ‚System Duden‘ widerlege sich damit selbst.
Zweiter unter fünf Kandidaten wurde Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der durch sein Insistieren auf Englisch selbst in Anwesenheit von Dolmetschern allen Versuchen in den Rücken falle, Deutsch als echte Arbeitssprache glaubhaft in der EU zu verankern. 

Der Titel „Sprachpanscher des Jahres“ wird seit 1998 vergeben. Er steht für das unnötige Verdrängen eingeführter deutsche Begriffe durch Importe aus dem angelsächsischen Ausland sowie für die Demontage des Deutschen als Sprache von Kultur und Wissenschaft ganz allgemein. Bekannte Sprachpanscher der Vergangenheit sind die Firma Karstadt (Sprachpanscher des Jahres 2012), René Obermann (Deutsche Telekom 2011), Hartmut Mehdorn (Deutsche Bahn 2007) oder Klaus Zumwinkel (Deutsche Post 2005).

Weitere Informationen hier:

Verein Deutsche Sprache e.V. (VDS), Postfach 10 41 28, 44041 Dortmund

Telefon: 0231 - 794 85 22, info@vds-ev.de, www.vds-ev.de

Dienstag, 3. September 2013

Translator scams and identity theft

Scams are unfortunately no longer a rarity even in the translation business. That why I am glad colleague João Roque Dias has compiled a great website with all sorts of information and helpful links and examples on translator scams and identity theft, available here

I also came across some excellent tips on the elanex website:
For translators, some simple steps we advise are:
  • Instead of publicly posting your resume or CV, make your resume available on request or alternatively publish only protected files.
  • Exercise reasonable caution when accepting new assignments from unknown sources. Does the request come from a legitimate business or agency? Are payment details determined in advance?
  • If contacted by an agency who wishes to market your CV, verify the agency and representative identity by checking translation forums, Joao’s website, agency registration numbers, Google, and other services.
  • A translation firm or direct business client will typically ask the translator to sign a non-disclosure agreement (NDA) and the more professional organizations will often include a service level agreement (SLA).
For buyers of translation services, we advise:
  • Be cautious in advance if accepting translators with word rates far below professional average. Professional translators should be fairly compensated for their skills.
  • Promises of “perfect translation” should be met with healthy skepticism. Just as multiple authors can create content written in different ways that convey the same message, different translators can produce translations that faithfully represent the intent of the original author with different phrasing.

I hope none of you have been or will be affected by this - the damage not least of all to one's reputation is very hard to undo!