Mittwoch, 31. August 2011

Buchhaltung und Bilanzierung - und ein kleines Twitter-RL-Treffen

Letzte Woche war ich in Leipzig für ein Seminar des BDÜ LV Sachsen. Da es schon um 10 Uhr morgens los ging und die A9 bekanntlicherweise viele Baustellen hat, bin ich lieber schon am Freitagnachmittag losgefahren und habe in Leipzig übernachtet. (Das mit dem Stau-Umgehen hat zwar nicht so ganz geklappt, aber egal...)
Ein weiterer Bonus dafür, dass ich schon am Abend vorher in Leipzig war, war, dass ich endlich eine Kollegin in natura kennen lernen durfte, die ich bisher nur über Twitter kannte. Es war trotz der späten Stunde eine sehr nette Sache, wir haben uns prächtig verstanden und über alles mögliche und unmögliche bezüglich Übersetzen, Dolmetschen und der Problematik von Ost und West unterhalten, und wir kamen zu dem Schluss, dass es wenig sinnvoll ist, sich online anders zu verhalten als im wirklichen Leben, denn irgendwann fällt man damit gewaltig auf die Nase, und das nicht nur privat - und v.a. als Einzelunternehmer ist das mehr als nur ungünstig! 

Aber zurück zum Seminar:
Obwohl ich meine Buchhaltung von Anfang meiner Selbständigkeit an alleine gemacht habe und kürzlich ein großes Lob seitens meines Steuerberaters bekommen habe, dass ich ihn eigentlich gar nicht bräuchte, hielt ich es für eine gute Idee, mich auf einem speziell für meinen Beruf zugeschnittenen Seminar zu informieren - schließlich kann man immer dazu lernen. Und das habe ich auch tatsächlich!
Der Referent, Matthias Unger von Unger & Partner aus Berlin, seines Zeichens Rechtsanwalt und Steuerberater, hat es geschafft, dieses an sich eher trockene Thema nicht nur anschaulich zu vermitteln, sondern hat auch geduldig jede Frage beantwortet, die wir ihm stellten. Und die Gruppe beinhaltete alles vom Kurz-vor-der-Selbständigkeit-Stehendem bis zum alten Hasen. Außerdem gab es auch ausführliche Unterlagen zum Mitnehmen.
Nachdem Herr Unger erst einmal die Grundbegriffe der Buchhaltung erklärt hatte, legte er dar, welche Dinge für Freiberufler, die ja an sich nicht buchführungspflichtig sind, trotzdem sinnvoll sind, teilweise zu Darstellungszwecken gegenüber dem Finanzamt, teilweise zum eigenen Überblick. Er gab praktische Tipps wie man auch als Freiberufler seine kleine Buchführung organisiert und erklärte u.a. was es mit Belegen und den GDPdU auf sich hat.

Alles in Allem fand ich das Seminar sehr informativ. Ich habe wieder einiges an Neuem gelernt und konnte etliches mitnehmen. Einiges davon habe ich auch schon umgesetzt, nämlich mir ein tatsächliches Kassenbuch zugelegt, in das ich meine seltenen Bareingänge mit der Hand eintrage, und ein zweites Girokonto eröffnet, damit meine geschäftlichen und privaten Einnahmen und Ausgaben fein säuberlich getrennt sind, auch auf den Kontoauszügen, denn die möchte das Finanzamt bei einer Prüfung sehen.

Und wie handhaben meine Kolleginnen und Kollegen und andere Leser dieses Blogs dieses Thema? Welche Art der Buchhaltung praktiziert ihr?

Mittwoch, 24. August 2011

Two languages, same mistake

I was reading The Wind in the Willows by Kenneth Grahame - it's a children's story, I know, but it's a classic, too, and I've never read it, so there - when I came across a paragraph that just left me speechless. It's towards the end of the book, after Toad has escaped from prison and been rescued from the river by his friends, who tell him that his ancestral home, Toad Hall, has been taken over by weasels and stoats. Here's the part I'm talking about:
The Toad, having finished his breakfast, picked up a stout stick and
swung it vigorously, belabouring imaginary animals. "I'll learn 'em
to steal my house!" he cried. "I'll learn 'em, I'll learn 'em!"
"Don't say 'learn 'em,' Toad," said the Rat, greatly shocked. "It's
not good English."
"What are you always nagging at Toad for?" inquired the Badger, rather
peevishly. "What's the matter with his English? It's the same what I
use myself, and if it's good enough for me, it ought to be good enough
for you!"
"I'm very sorry," said the Rat humbly. "Only I think it ought to be
'teach 'em,' not 'learn 'em.'"
"But we don't want to teach 'em," replied the Badger. "We want to
learn 'em -- learn 'em, learn 'em! And what's more, we're going to
do it, too!"
Where I live, in Southern Germany, it is very common to hear people say "Ich lerne dir das" instead of "Ich bringe dir das bei" or "Ich lehre dich das" (which is fairly high-brow and probably never actually spoken although the more correct version) - exactly the same phrase Toad and Badger use, which is incorrect in English, too, apparently! 
Who would have thunk... ;)

Donnerstag, 18. August 2011

Voice-over für Lohengrin

Letzte Woche hatte ich den bis dato interessantesten und spannendsten Auftrag meiner Karriere als Übersetzerin und Dolmetscherin: Ich durfte für die Bayreuther Festspiele die Voice-overs für die Interviews aufnehmen, die während der live Übertragung online in den Pausen gezeigt wurden. 
Die Interviews (ca. 2 Stunden) waren mit den Sängern der Hauptcharaktere, dem Konzertmeister, dem Dirigenten, dem Bühnenbildner, etc., also genau mein Spezialgebiet, und auf Deutsch, sollten online aber auch auf Englisch zu hören sein. Meine Aufgabe war es also, genau das möglich zu machen. Ursprünglich hatten die Filmleute gedacht, dass ich das mal eben so simultan dolmetsche und sie das aufnehmen, aber als ich vorschlug, dass es doch professionell klingen sollte (immerhin ist es u.a. von Siemens gesponsert) und es besser wäre, wenn ich die Texte auf Englisch ablesen könnte, sind sie sofort auf meinen Vorschlag eingegangen. 
Das Ergebnis sah dann so aus, dass ich die transkribierten Texte ein paar Tage vorher erhielt und in aller Ruhe (naja...) übersetzt habe und dann mit den übersetzten Texten auf Papier - wann habe ich das letzte Mal eine Übersetzung ausgedruckt? - nach Bayreuth ins Tonstudio gefahren bin. 
Dort erwartete mich eine kleine Kabine mit Mikro und Bildschirm, auf dem ich die Interviews gesehen habe, während ich das Ganze mit meiner Stimme auf Englisch übersprochen habe. Alles in Allem lief es wirklich gut, der Tontechniker/Cutter und die Redakteurin konnten gar nicht glauben, dass das mein erstes Mal  war und wollten gleich meine Karte habe (sehe ich da eine zweite Karriere als "Stimme" am Horizont?)! 
Spannend wurde es, als herauskam, dass eines der Interviews gestrichen wurde, weil die befragte Person nicht mehr im Ensemble war, und die anderen Interviews deswegen verlängert werden mussten. Das bedeutete, dass vorher gestrichene Teile wieder eingefügt wurden, von denen ich aber den Text nicht übersetzt hatte. Das Problem lösten wir so, dass die Redakteurin während wir Mittagspause machten die fehlenden Texte auf Deutsch abtippte und ich diese dann Stegreif während der Aufnahmen quasi doch live dolmetschte. Das ging auch erstaunlich gut, v.a. weil ich mir die kniffeligen Teile vorher noch mit Stichworten versehen hatte.
Außerdem waren da noch die Einleitungen zu den einzelnen Akten, von denen ich ebenfalls vorher keine Texte hatte. Das sie aber nicht so lang waren, habe ich sie mir auf Deutsch angehört und gleich ins Englische abgetippt, was ich dann für die Aufnahmen abgelesen habe.

Insgesamt war ich dann zwar doch 8 Stunden lang dort, aber es hat unheimlich Spaß gemacht, nicht zuletzt, weil auch meine zwei Komplizen wirklich gut drauf waren und sich von den Problemen die gute Laune nicht verderben ließen. Am Ende habe ich gemerkt, dass nicht nur meine Stimme, sondern auch ich langsam müde wurde und mein Mund und meine Zunge nicht mehr so wollten wie ich, wir also doch einige Stopps und "den Satz bitte nochmal" hatten, was aber wohl ganz normal und kein Problem ist. Ziemlich platt, verschwitzt (keine Lüftung in der Kabine wegen der Geräusche), aber sehr begeistert bin ich dann wieder Richtung Süden gefahren... ich hätte wirklich nichts dagegen, bald wieder meine Stimme herzugeben...

Donnerstag, 11. August 2011

I’m not going to give you a discount…

  1.   … because you are a new client, and I don’t know what to expect.
  2.   … because you are an old client and you know my rates.
  3.   … because this job is for a new client.
  4.   … because this job is for an old client.
  5.   … because last time I gave you a discount.
  6.   … because last time I didn’t give you a discount.
  7.   … because I always give you discounts and I’m tired of it.
  8.   … because I never give discounts.
  9.   … because I know how much my services cost.
  10.   … because professional translators rarely give discounts.
  11.   … because if you want to work with me, you have to accept my rates.
  12.   … because if you don’t want to work with me, you are free to look for another translator.
  13.   … because I will not make up for the discount in future jobs, because you will keep asking for them.
  14.   … because it is a big job, months of guaranteed work, and I’m not going to work for peanuts.
  15.   … because it is a small job and I will have to juggle with my other commitments.
  16.   … because my schedule is already tight.
  17.   … because it is a simple job that I do very often, and giving you a discount will cut my profits.
  18.   … because I’m not going to work during the weekend, I need my rest as well.
  19.   … because there is no such a thing as an easy text.
  20.   … because it’s a subject I spent years to get familiar with.
  21.   … because it’s a subject I’m not familiar with and I have to do a lot of research.
  22.   … because it’s a subject I’m not familiar with and I really do have to do a lot of research.
  23.   … because it is not just like something I did two years ago.
  24.   … because I have to read all the reference materials.
  25.   … because there is a difference between a glossary and translation.
  26.   … because I still have to translate the text.
  27.   … because I will have to spend loads of time to learn how to use your proprietary CAT tool.
  28.   … because I’m not really into quantum physics.
  29.   … because I’ve never done anything like this.
  30.   … because it’s a non-technical text.
  31.   … because it’s a technical text. I have to worry about style.
  32.   … because I have my standards and I approach every text with the same attention.
  33.   … because if you want a summary translation, we can negotiate a different rate.
  34.   … because I still have to translate it, regardless of the format.
  35.   … because if you want me to edit or proofread a text, we can negotiate a different rate.
  36.   … because I have to correct other bits, and that proves to be very time consuming.
  37.   … because I’m not a secretary.
  38.   … because I’m not your sister, brother, mother, partner or cousin.
  39.   … because you couldn’t do it yourself, that’s why you’re looking for a translator.
  40.   … because that’s the price for a quality translation.
  41.   … because a junk translation is a junk translation.
  42.   … because I am a professional translator and that’s how much I charge.
  43.   … because that’s how much I charge, regardless of what your clients think.
  44.   … because it doesn’t matter to me who pays for the job, as long as it is paid.
  45.   … because I need my profit.
  46.   … because you know my rates.
  47.   … because the exchange rate is not my concern.
  48.   … because for me, every project is the same priority, the same budget.
  49.   … because your budget is not my concern.
  50.   … because that’s how much I’m charging.
  51.   … because again, your budget is not my concern.
  52.   … because your problems are not my problems, as long as I get paid.
  53.   … because if I can’t afford something, I don’t buy it.
  54.   … because your boss is ignorant.
  55.   … because if I tell my husband how little I’ve earned this month he will kill me.
  56.   … because your problems are not my problems.
  57.   … because I know my price.
  58.   … because I’m not going to do it for under $150. That’s it.
  59.   … because I don’t have any influence on world’s economy.
  60.   … because I don’t have any influence whatsoever on world’s economy.
  61.   … because I know what rates are there in my country.
  62.   … because your bids and proposals are not my problem.
  63.   … because I always have an alternative. I can simply say no.
  64.   … because you still care more about your commission than my rates.
  65.   … because it’s simply not my problem.
  66.   … because your incompetence is not my problem.
  67.   … because your friends are not my friends.
  68.   … because I’m not in a crisis.
  69.   … because I’m still not in a crisis.
  70.   … because I’ve never felt any effects of any crisis.
  71.   … because your horizon is not my horizon.
  72.   … because you know my rates.
  73.   … because NO!
Your thoughts on this?

Originally published by Marta Stelmaszak here (I edited it a tiny bit).

Donnerstag, 4. August 2011

Komplizierte Textpassagen übersetzen

Diese Woche saß ich wieder über ein paar nicht-technischen Texten, die es teilweise so richtig in sich hatten. Gesprochenes in lesbare Form zu bringen ist ja schon in einer Sprache schwierig, aber dann das Ganze noch in eine andere zu übersetzen...!
Manchmal "flutscht" es ja so richtig, da fliegen die Finger über die Tasten, und wohl geformte Sätze fließen förmlich aus dem Hirn auf den Bildschirm. Und dann - ein Satz, eine Wendung, und mir fällt erstmal gar nichts ein. Oder nur klotzige Formulierungen, die ich eigentlich am liebsten gar nicht tippen würde, so unbeholfen klingen sie. Aber das ist ja auch ein Vorteil des Computers: man kann quasi "auf dem Bildschirm denken", Wörter aneinander reihen, verschieben, löschen, ersetzen, bis es passt.
Nur manchmal scheint es einfach nicht passen zu wollen. Mir hilft es dann oft, den sperrigen Satz stehen zu lassen und weiter zu übersetzen - mein Unterbewusstsein rattert im Hintergrund weiter. Nicht selten kommt mir dann eine halbe Stunde später die zündende Idee. Oder während ich eine Runde mit den Hunden drehe. Oder beim Gespräch mit jemand anderem (solange es sich nicht um vertrauliche Information handelt, natürlich).
Aber manchmal habe ich diesen zeitlichen Luxus nicht, und dann heißt es: Gehirnzellen auf Höchstleistung fahren und eine Lösung finden. Dabei helfen mir ein paar Überlegungen:
  1. Was steht dann da eigentlich genau im Ausgangstext? Ist der überhaupt eindeutig, klar, verständlich und gut formuliert (was ja leider oft genug nicht der Fall ist)? Ist er am Ende vielleicht sogar fehlerhaft? Vielleicht hilft es ja, ihn umzuformulieren, in kleinere Stücke zu teilen, zu vereinfachen - was ist denn eigentlich die Grundaussage?
  2. Wie genau muss ich mich ans Original halten? Hier spielt natürlich die Textart und das Zielpublikum eine wichtige Rolle, aber selbst ein technischer Text darf auch mal etwas freier übersetzt werden, und auch ein literarischer kann etwas "wörtlicher" sein - wenn es angebracht ist.
  3. Kann ich eventuell etwas weglassen? Oder dazu fügen? Das fällt mir hin und wieder schwer, aber dann erinnere ich mich daran, dass ich als Übersetzerin ja auch schöpferisch und kreativ tätig bin und mich eben gerade nicht an den Ursprungstext klammern darf, sondern den Inhalt in die andere Sprache transportieren muss, so dass er dort genauso und genau so verstanden wird.
  4. Und ganz wichtig: Was steht davor und danach? Es ist sehr leicht sich so an einem Satz fest zu beißen, dass man quasi "betriebsblind" wird und die Lösung oder der entscheidende Hinweis einen sozusagen gleich beißt - wenn man nur ein Stück weiter lesen oder zurückblättern würde!
Und wenn ich dann das Ergebnis lese, bin ich häufig erstaunt, dass diese wunderbaren Wortgebilde auf meinem Mist gewachsen, äh, aus meiner Feder geflossen sind. :-)